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Samstag, 2. Juni 2012

"Fanny war mit einem Mr. Skeffington verheiratet gewesen...


...und hatte sich aus Gründen, die sie für zwingend hielt, von ihm scheiden lassen."

Es gibt AutorInnen, deren Bücher ich wirklich mit unwahrscheinlichem Vergnügen wieder und wieder lese und die Autorin und das Buch, die ich heute hier vorstelle, gehören mit Sicherheit dazu: DIE SIEBEN SPIEGEL DER LADY FRANCES (MR. SKEFFINGTON) von Elizabeth von Arnim (1939).

Lady Frances – genannt Fanny – Skeffington wird in wenigen Tagen 50 Jahre alt (- am 12. März um mal genau zu sein..). Nach langwieriger Krankheit ist nur noch wenig von ihrer einstigen Schönheit übrig, für die sie einstmals berühmt war. Ganz London (in erster Linie natürlich der männliche Teil..) lag ihr zu Füßen. Damit ist es jetzt vorbei – und um es noch schlimmer zu machen: Ständig sieht Fanny ihren Exmann Hiob Skeffington vor sich, der sie vor 20 Jahren – nach dem sie sich von ihm scheiden ließ – mit einem stattlichen Vermögen versorgte. Als sie einen Arzt aufsucht, rät dieser ihr Skeffington „zu stellen“ – d. h. ihn zum Essen zu treffen. Vollkommen indiskutabel für Fanny versteht sich, schließlich kennt Hiob sie nur als blühende Schönheit – ebenso wie andere ehemalige Verehrer, die sie in den nächsten Tagen treffen wird. Allerdings ist die Zeit auch an den flotten Hirschen der Londoner High Society nicht spurlos vorrübergegangen..

~ interessanter Weise beschäftigt sich der deutsche Titel mit der Hauptfigur
- während das Original einen anderen Schwerpunkt legt.. ~

Da ich dummerweise auch nicht jünger werde (– und irgendwie hatte ich mir ja erhofft, dass das Alter mich übersieht..), konnte ich mich sehr, sehr gut mit Fanny identifizieren – obgleich ich vom halben Jahrhundert noch ein gutes Stück entfernt bin.. Allerdings ist über 18 nun mal über 18.. Und wenn man, d.h. frau, beim Kauf einer Flasche Rum für einen netten Cocktailabend nicht mehr nach dem Ausweis gefragt wird, dann wird’s ernst – mal abgesehen davon, dass frau schon mal ins Grübeln kommen kann, wenn „nette Cocktailabende“  daheim stattfinden..  Also: mit Fanny’s Sorge einer Singlefrau, deren Attraktivität nachlässt (du liebe Zeit! Was ist mit meiner?? Wo ist mein Spiegel???) konnte ich gut mitfühlen – und wenn man lange genug Single ist, dann hat man ab und an auch mal Sehnsucht danach jemanden zum Anlehnen zu haben - im schlimmsten Fall hat man das auch, wenn man gerade in einer Beziehung steckt..

~ meine Ausgabe ist von 1958 und Elizabeth von Arnim heißt hier Elizabeth Russell. 1916 heiratete sie den  Britischen Politiker Frank Russell - und trotz Trennung blieb sie mit ihm bis zu seinem Tod 1931 verheiratet.

Was mich zu einer begeisterten Leserin von Elizabeth von Arnim macht ist ihr wunderbar ironischer Schreibstil. Hier kriegen alle ihr Fett weg und dass auf charmante Weise – ist doch auch mal schön, nicht?

Ich gebe ja zu dass mich das Thema Altern und Verlust der Schönheit sehr fasziniert - die Welt der Literatur und des Films (der Kunst überhaupt) ist ja voll von entsprechenden Charakteren - Ihr könnt Euch also auf die eine oder andere Besprechung zum Thema gefasst machen.. 

~ Elizabeth von Arnim (1866-1945). Ihr richtiger Name war Mary Annette Beauchamp.
Erst veröffentlichte sie anonym - später auch als Elizabeth - ein Name, den sie auch gerne privat verwendete..  ~

Auch ganz großartig: Das Ende! Obwohl man weiß, was passieren wird, bringt einen die Spannung fast um. Das Buch ist einfach wunderbar – und sollte zur Pflichtlektüre für all uns alternden Jungfern werden.. Na ja.. Ich bin wirklich schwer begeistert.. ..und werde diesen Roman sicher noch das eine oder andere Mal lesen.. 

~ Bette Davis als Mrs. Skeffington und Walter Abel begrüßen Gäste in einer Filmszene.. ~

  • Für Nicht-Leser: Das Buch wurde 1945 mit Bette Davis in der Hauptrolle verfilmt  und das auch ganz wunderbar! Außerdem auch mit einem meiner liebsten Schauspieler Claude Rains als Mr. Skeffington - und dann ist da noch Walter Abel.. ach, na ja..
    Der Film heißt auf Deutsch dann übrigens DAS LEBEN DER MRS. SKEFFINGTON.. Die Geschichte ist dort ein wenig anders aufgezogen – es gibt Änderungen in allen möglichen Arten: Im Film hat Fanny eine Tochter – im Buch nicht. Im Film lebt sie in New York – im Buch in London. Die wichtigste Änderung: Im Film erscheint Fanny um einiges zickiger als im Buch – im Roman ist sie das reinste Seelchen. Sie ist dort wirklich ausgesprochen liebenswert..   Auch wenn Ihr gerne lest: Bitte, bitte schaut auch den Film! - der Schluss des Romans hat‘s übrigens in den Film geschafft! 

~ Claude Rains und Bette Davis.. Du liebe Zeit.. Ich LIEBE diesen Film!! ~

  • Risiken und Nebenwirkungen? - Tja.. Haltet besser einen Topf Feuchtigkeitscreme bereit.. Aber im Großen und Ganzen hilft das Buch ungemein wenn man sich mal alt und unattraktiv fühlen sollte.. (- und diese Phasen habe ich so ungefähr seit meinem 15. Lebensjahr..) 

  • Woher nehmen:  Derzeit ist das Buch leider nur gebraucht erhältlich – es sei denn Ihr versucht Euch an der Englischen Ausgabe..


Danke für's Lesen!

Irene

Dienstag, 22. Juni 2010

Und nun möchte ich eine Szene für Sie spielen - aus allen meinen Filmen


"Willkommen in der Höhle der Löwin!"


Bette Davis von Charlotte Chandler (2008) heißt im Original "The Girl Who Walked Home Alone" - und wäre das nicht auch im Deutschen ein großartiger Titel gewesen?? Schade..


Aber ein Titel hat mich noch nie davon abgehalten etwas über meine Lieblingsschauspieler zu lesen. (Tatsächlich finde ich alberne Titel prima.) Eines vorneweg: Ich bin eine Bette Davis Ethusiastin! Die Frau ist eine absolut fantastische Schauspielerin in (meist) fantastischen Filmen.


Die Biographie liest sich mehr wie ein Fragment aus Gesprächsfetzen. jede Menge "Bette sagte..." "Bette erzählte..." so dass ein wenig das Gefühl aufkommt, eine alte resolute Tante würde aus ihrem Leben berichten. Es kommen auch viele ihrer Freunde/Kollegen und Zeitgenossen zu Wort. Am Ende bekommt man ein sehr gutes Bild von dieser wahnsinnig energischen, zielgerichteten und nicht immer diplomatischen Frau. Charlotte Chandler bemüht sich um Objektivität - obwohl der Grundton positiv ist, gibt es auch Zitate von Menschen die nicht sehr angetan von Miss Davis waren.


Fast jeder (mir fehlte zumindest "Die Braut kam per Nachnahme" mit James Cagney..) ihrer Filme wird kurz zusammengefasst und am Ende gibt es zusätzlich noch eine Filmographie. Das Buch ist auf jeden Fall ein guter Einstieg - ich hätte allerdings gerne mehr über ihre Schwester Bobby erfahren - wer weiß.. vielleicht gibt es da auch nicht mehr zu erfahren.. ich werde wohl weiter forschen müssen.. Ein paar Fotos sind im Buch enthalten, darunter auch Privataufnahmen.

Miss Davis absolut großartiger Humor blitzt übrigens auch manchmal hervor: "Es waren nicht die größten - aber schlecht waren sie nicht!" - ist kein Zitat über ihre Filmrollen (das waren die Größten! Und wenn nicht, dann hat sie eben die Größten daraus gemacht.) sondern über ihre Brüste und außerdem schenkte mir das Buch das wunderbare Wort "Schlampenlicht". (Nur: wann kann ich das schon mal anwenden..)


  • Woher nehmen: Das Buch ist derzeit nur noch in Restbeständen im Handel erhältlich (ISBN 978-3-7844-3137-6) - Amazon.de bietet das gute Stück derzeit für 4,99€ an.

  • Risiken & Nebenwirkungen: Ihr könntet in Versuchung geraten wenigstens EINE Bette Davis Filmnacht zu veranstalten..