Freitag, 7. Januar 2011

Ich sollte die Fleißarbeit, die Sie mir aufgetragen haben, vielleicht besser als Gespenstergeschichte beginnen...

Ein Buch das lange in meinen Bücherregalen darauf wartete gelesen zu werden, schaffte es endlich von den Regalen auf den Nachttisch – aber nicht für eine lange Zeit, da es unsagbar faszinierend war: ANGELICA von Arthur Phillips (2007).

Das viktorianische London. Constance Barton hat nach mehreren Fehlgeburten endlich einer Tochter das Leben geschenkt: Angelica. Constances Gesundheit hat dermaßen gelitten, dass die Ärzte ihr von jeder weiteren Schwangerschaft abraten, da das ihren sicheren Tod bedeuten könne.
Als Angelica vier Jahre alt ist, quartiert ihr Vater - Constances Ehemann Joseph – sie aus dem elterlichen Schlafzimmer aus und fordert seine ehelichen Rechte bei Constance ein. Damit im Zusammenhang zu stehen scheint eine Reihe unheimlicher Ereignisse – von unerklärlichen Rissen in Möbelstücken bis zu einem blauschimmernden Geist, den Constance dabei beobachtet wie er Angelica heimsucht. Kann die herbeigerufene Anne Montague, die sich in okkulten Fragen auskennt, helfen? Hat Joseph etwas mit den Geschehnissen zu tun? Ist Missbrauch im Spiel? Oder verliert Constance langsam den Verstand?

Um es gleich vorweg zu sagen: In diesem Buch stehen komplett sinnlose Sätze, wie z.B. die Antwort auf den Satz „Ich frage mich ob ich wahnsinnig bin.“:

Reden Sie wirres Zeug mit Katzen, die auf Fenstersimsen hocken?

- Also, wirklich. Ich habe das mit meinen Katzen diskutiert und die fanden das auch albern.

Es ist möglich, dass Ihr während der Lektüre zu überlegen beginnt, ob Ihr nicht auch nachts die Spiegel verhängen solltet. Als sehr effektvoll hat sich übrigens ein kurzer Wackelkontakt in meinem Lichtschalter im richtigen Moment erwiesen – und dass zur selben Zeit der Wind ums Haus heulte..

Auf jeden Fall interessant ist die Theorie, dass alle Frauen latent wahnsinnig sind - und nur durch einen Mann der Ausbruch dieses weiblichen Wahnsinns eingedämmt werden kann:

„Folglich hatten alle Witwen und alte Jungfern auf der ganzen Welt Marotten. Niemand verhinderte, dass ihre Schrulligkeit gnadenlos überall einsickerte.“ So, so. Sieh an..

Und wusstet Ihr Folgendes?:

„Für jeden Mann, selbst einen verheirateten Mann im geheimen Einverständnis mit seiner Frau, ist eine übermäßige Entleerung von Samenflüssigkeit normalerweise tödlich.“

– Seid Ihr Euch Eurer Verantwortung bewusst? Ich bitte Euch das in Zukunft zu bedenken, wenn Ihr wieder wollüstig über so ein armes Kerlchen herfallt!!

Schön ist auch der Vergleich eines Psychiaters, der befand, dass menstruierende Frauen im Endeffekt eine starke Ähnlichkeit mit Werwölfen aufweisen – und genauso abhängig vom Mond sind.

Das Buch wimmelt nur so von – im wahrsten Sinne des Wortes viktorianischem Sexismus und Rassismus. Sehr spannend fand ich, dass man die Geschichte erst aus der Sicht Constances, dann Annes, anschließend Josephs und ganz zum Schluss Angelicas Sicht auf die Dinge erfährt.
Das Ganze ist konzipiert wie ein Bericht an einen Arzt – wer da berichtet erfährt man allerdings erst ziemlich spät und Ihr dürft am Ende auch nicht erwarten, dass Euch die Lösung auf einem silbernen Tablett serviert wird. Vieles hier wird impliziert und sieht im nächsten Moment schon ganz anders aus – was ich an diesem Buch auch besonders mochte.
  • Sexappeal: Im Endeffekt dreht sich hier fast alles – wenn auch in einer sehr verhüllten Art – um Sex und die viktorianische Sichtweise darauf.

  • Woher nehmen: Das Buch ist derzeit nur als Taschenbuch unter folgender ISBN im Handel zu erhalten: ISBN 978-3-442-47002-0.
Zusammenfassend lässt sich vielleicht sagen, dass das Buch nur stellenweise gruselig ist, dafür aber auch sehr tragisch - ohne allerdings dass Ihr Taschentücher in Griffnähe bereit halten solltet - und dass vielleicht auch in unseren Leben mit mehr Offenheit einiges verhindert werden kann.

Samstag, 1. Januar 2011

Warum wollte sie nicht über Weihnachten in den Norden fahren?

Wieder ein Debütroman - und wieder von einer meiner Lieblingsautorinnen:
LADY HELENAS GEHEIMNIS (FROZEN LAKE) von Elizabeth Edmondson. (2004)

1921 starb erst Neville Richardson bei einem Kletterunfall in den Anden und später seine Frau Lady Helena - zusammen mit der gemeinsamen ältesten Tochter Isabel bei einem Autounfall in Amerika.
Mittlerweile sind fast 16 Jahre vergangen: Es ist Weihnachten 1936 und die übrig gebliebenen Richardson-Kinder treffen sich mit den restlichen Familienmitgliedern auf dem Familiensitz Wyncrag im Lake District im Norden Englands (Manchester ist nicht sehr weit entfernt.) - es herrscht nicht gerade ungetrübte Weihnachtsstimmung: Großmama Caroline herrscht mit eisernem Willen und schafer Zunge. Die 24jährige Alix, die zum ersten Mal seit drei Jahren wiederzurückgekehrt ist (dass sie für ihren Lebensunterhalt arbeitet ist ganz und gar nicht in Großmamas Sinn...) will endlich einige Mysterien der jüngeren Familiengeschichte klären und stösst damit bei vielen Personen nicht gerade auf überschwängliche Begeisterung - und auch die Nachbarn haben ihre dunklen Geheimnisse.

Auch wenn die ersten 100 Seiten (von insgesamt 569 immerhin) vor soviel Personen eventuell etwas verwirrend sind - aber dafür gibt es zum Glück im Anhang ein Personenregister und anschließend liest es sich wirklich nur so weg - und vereinzelt solche geschwollenen und dadurch etwas lächerliche Formulierungen wie "Mein Gesicht zeigt das harte Antlitz der Eifersucht..." (Also, wirklich!) fallen: LADY HELENAS GEHEIMNIS ist ein großartiges Buch! Unsagbar starke Frauenfiguren und wunderbar kalte Winterlandschaften!

Vielleicht keine klassische Weihnachtslektüre mit Bratapfelduft und pausbäckigen Kindern die mit glänzenden Augen Geschenke auspacken - aber eine fesselnde Lektüre für Winterabende. Wenn, ja, wenn (!) Ihr die Spannung denn so lange rauszögern könnt - und es nicht an einem Abend (und einer Nacht) durchlest! Denn hier tun sich unfassbare Abgründe auf. Nicht nur die üblichen Intrigen - nein, hier spielen auch die politsche Lage 1936 (inkl. englischer Faschisten), ein wiederkehrender Albtraum und natürlich der (im Original) titelgebende gefrorene See eine Rolle.

Ich würde ja sagen: bei diesem Roman handelt es sich um ganz großes Kino! - und ich wünschte die BBC würde sich ein paar von Elizabeth Edmondsons Romanen vornehmen - sie schreien ja geradezu danach!

Vielleicht wird das Buch ja doch noch zu einem Festtags-Klassiker - Ich will es in diesem Jahr zwischen Weihnachten und Silvester jeden falls wieder lesen.

  • Sex-Appeal: Ja, hier haben verschiedene Personen Sex - manchmal einvernehmlich, manchmal nicht - aber auf keinen Fall ausführlich.

  • Woher nehmen: Das Buch ist als Taschenbuchversion (ISBN: 978-3-499-23875-8, Cover siehe oben) im Handel erhältlich. Es gibt auch eine Sonderausgabe für 5,00 €uro (ISBN 978-3-499-25205-1) - mit einem unglaublich schrecklichen Cover - oder denkt Ihr bei einer gelben Tulpe an eine Wintergeschichte?? Da gefällt mir die erste Version (siehe Eintragsbeginn) um einiges besser!
Ja, ich bin Buchcover-fixiert - und deswegen hier gleich zum Vergleich das englische Cover, dass ich auch sehr schön finde - denn was Ihr da seht bekommt Ihr im Buch auch zu lesen: Ein Herrenhaus, Schnee, ein gefrorener See und Schlittschuhläufer.




Tja, so muss das aussehen, Leute!

Freitag, 31. Dezember 2010

Die Frage nach dem Woher liegt in der Natur des menschlichen Verstandes.

1935 veröffentlichte die Österreicherin Gina Kaus die Biographie KATHARINA DIE GROßE – das Buch wurde ein Bestseller in den USA.


Die Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst heiratet 1745 den russischen Thronfolger Großfürst Peter Fjodorowitsch, den späteren Zaren Peter III, und heißt fortan Katharina -d.h. Jekatarina Alexejewna. Die Ehe verläuft nicht gerade harmonsisch - mehr als an seiner hübschen und gebildeten Frau ist der unsichere Peter interessiert am Soldatspielen, so dass sich Katharina (wie man hinzufügen muss: laut Gina Kaus nach knapp 9 Jahren sexfreier Ehe) schließlich anderen Männern zu wendet. Als Peter, der mittlerweile Zar geworden ist bei einem Putsch getötet wird – nicht unbedingt ohne Katharinas Mitschuld –, wird sie zur Zarin Katharina II und Herrscherin über das Weltreich Russland.

Wenn es ein Motiv dieser Biographie gibt, dann ist es meiner Meinung nach – Gerechtigkeit.

Bei jedem Gerücht über Katharina II. von Russland wägt Gina Kaus das Für und Wieder genau ab und beruft sich oft auf Katharinas eigene Aufzeichnungen – bei denen sie uns auch aufzeigt, was und warum die Zarin an der Wahrheit änderte.

An sich eine sehr spannende Lektüre, mag sie dennoch dem einen oder der anderen etwas trocken erscheinen: wörtliche Rede gibt es nicht – es sei denn es handelt sich dabei um Zitate und diese sind vereinzelt in der Originalsprache (Englisch oder Französisch) angegeben – aber ohne erläuternde Übersetzung. (Das mag sich - wie ich hoffe - in neueren Auflagen geändert haben.) Trotzdem ist der Handlung gut zu folgen und Unerschrockene dürfen sich auf eine aufregende (Lese-) Reise begeben und erfahren wie aus der kleinen Prinzessin Sophie von Anhalt-Zerbst die große Katharina wurde.

Wer nicht sicher ist, ob das Buch nicht zu langweilig ist, dem sei dringend nahegelegt, doch das Kapitel über Iwans Ermordung (Teil II, Kapitel II mit dem wunderbar einfachen Titel „Iwan“) wenigstens anzulesen! Wer dieses Kapitel nicht spannend findet (Hallo? Ein Junge wird als Kind eingesperrt und seine Wächter wissen nicht, wer er ist – nur dass auch sie erst wieder frei sein werden, wenn ihr Gefangener stirbt und die den Befehl haben ihn zu töten falls jemand versuchen sollte, ihn zu befreien. Und dann startet ein geistig Verwirrter einen nicht gerade hochbrillanten Versuch in das Gefängnis einzudringen – eine Idee was passieren könnte??!?) sollte wirklich zu anderen Büchern über Katharina greifen.

Meine Lieblingsinformation: Katharina konnte mit dem rechten Ohr wackeln – und war stolz darauf. Und sie liebte es Blumen zu pflanzen - schade, dass es keine Bilder von ihr mit Gummistiefeln, geblümter Gartenschürze und Gieskanne gibt.. Das hätte mir sehr gefallen - und ja mir ist klar, dass Gummistiefel damals noch nicht gebräuchlich waren - aber wäre es nicht eine fantastische Vorstellung?

Vorgebildet muss man nicht sein um Freude an der Biographie zu haben – aber ein verlässliches Fremdwörterbuch könnte ab und an von Nutzen sein.

Die Autorin Gina Kaus wurde 1893 in Wien als Regina Wiener geboren. In zweiter Ehe heiratete sie 1920 den Psychologen Otto Kaus. - Was vermutlich auch erklärt, warum Psychologische Überlegungen in diesem Buch immer wieder eine Rolle spielen. - 1928 veröffentlichte sie ihren ersten Roman. 1933 fielen ihre Bücher, da sie als Jüdin unerwünscht war, der Bücherverbrennung der Nationalsozialisten zum Opfer - ab dann wurden ihre Bücher (z.B. DIE SCHWESTERN KLEH 1933) in Amsterdam verlegt. Nach der Flucht über die Schweiz, Paris und Südfrankreich ließ sich Gina Kaus schließlich 1939 in Hollywood nieder, wo sie hauptsächlich ihre Werke für den Film bearbeitete. Sie besuchte Europa zwar nach dem Krieg wieder, blieb aber bis zu ihrem Tod 1985 in Los Angeles.

  • Sex-Appeal: Es werden „Zärtlichkeiten ausgetauscht“ und „Nachtlager geteilt“ mehr gibt es nicht – aber ich bin sicher, dass findige LeserInnen gewiss irgendwo eine Biographie mit pornographischen Schwerpunkt finden werden.

  • Woher nehmen? Im Buchhandel ist das Buch nicht mehr zu bekommen - bei Amazon.de bekommt Ihr die Ausgabe von 2006 derzeit für nicht ganz 10 Euro.

  • Für Nicht-Leser: Es gibt zahlreiche Verfilmungen über Katharina die Große - ihr braucht nur zu wählen.

  • Übriglinks: Katharina das Große heißt ein Mobiltelefon, dass auf die Bedürfnisse von Senioren zu geschnitten ist.

„Madame, Sie müssen heiter sein!“

Katharina die Große an ihre Hamburger Freundin Frau Bjelke

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Zank doch nicht immer mit mir, Monika!

VIER WOCHEN BRAUCH ICH DICH von Gisi Gruber (die auch unter dem Namen Maria Barbara Alsegger schriebt und von der auch die Romanvorlage zum Film mit Sonja Ziemann DIE SIEBEN KLEIDER DER KATHRIN stammt ) wurde 1943 zuerst veröffentlicht – die Ausgabe, die ich habe stammt aus dem Jahre 1949 – könnte also „politisch gereinigt“ sein.


Wien. Die 20jährige Moni – empört über eine Annonce mit Chiffre „Vier Wochen brauch ich Dich“ in der ein Mann weibliche Begleitung für eine Reise sucht – antwortet mit einem erzürnten Brief den sie mit den Worten

Der Sultan winkt. Zuleima schweigt.
Und zeigt sich gänzlich abgeneigt.
beschließt und als „Zuleima“ unterschreibt.

Aufgegeben hat die Annonce ein Schriftsteller – einer Wette mit Freunden wegen. Monis Brief ruft Begeisterung in der Herrenrunde hervor und besonders Christian – ein Scheidungsanwalt – interessiert sich für „Zuleima“, nach der er auch bald mit Suchanzeigen in den Zeitungen fandet. Welch netter Zufall, dass ausgerechnet ihm Moni vor den Wagen läuft. Währenddessen antwortet Monis kokette Freundin Luise als „Zuleima“ auf Christians Suchannoncen und trifft sich mit ihm.

Um die Verwirrung noch zu vergrößern: Luise hatte Moni eine Lüge von einem Christian aufgetischt, der ihr angeblich das Herz brach. - Als dann Christian unwissentlich die gleiche Formulierung benutzt wie sein erfundener Namensvetter kommt Moni ins Grübeln..


Ich mag es, wenn Hauptfiguren Namen wie Monika/Moni, Luise, Hans und Otto haben und fortwährend Ausdrücke wie „prima Qualität“ fallen. Direkt auf der zweiten Seite liest man schon folgenden Satz:

„Doch, Moni, du bist ja auch nur eine Frau und wie ich den Gesetzen der Frauen unterworfen.“
Mal ganz abgesehen davon, dass mir nicht ganz klar ist, was diese Frauengesetze wohl sein könnten – bin ich vielleicht schon seit Jahren kriminell? – möchte ich an dieser Stelle direkt Erich Kästner zitieren und empört und etwas verschmitzt fragen: „NUR?“




Das "Der Sultan winkt. Zuleima schweigt"-Zitat stammt übrigens aus der Feder des großartigen Wilhem Busch (-> Die Entführung aus dem Serail)


Ich hatte in den ersten Kapiteln einen Heidenspaß – aber das Christian ausgerechnet ein ihm unbekanntes ohnmächtiges Mädchen (Moni – wer sonst? Und wäre sie ihm bekannt gewesen würd’s das auch nicht besser machen.) küssen muss – Also nein! Frau Gruber! Das ist nicht nur kitschig sondern auch im höchsten Maße widerwärtig!

Dagegen liebe ich solche Formulierungen wie „graue Bürospinne“ für eine unscheinbare Sekretärin und „Du bist so kalt wie Vanilleeis!“ ist meine Lieblingsbeschimpfung aus dem Buch.

Allerdings muss ich Euch, Ihr Lieben, dringend davor warnen das Buch in der Öffentlichkeit zu lesen, da die Gefahr einfach zu groß ist, dass ihr hin und wieder laut aufschreit: „Oh nei-en!“, „Sie wird doch wohl nicht…“ oder „Um Gottes Willen!!“
Die Fremdschämgefahr ist bei diesem Buch extrem hoch – es handelt sich schließlich um eine allerfeinste Schnulze – inklusive Krankenhausaufenthalt – die statt in Wien auch in jeder anderen Stadt hätte spielen können.


Einige Formulierungen werden auf Dauer auch durch ständige Wiederholung etwas lästig wie Monis rechte „angreiferisch vorgeschobene“ Schulter (? schon beim ersten Lesen bekam ich Verkrampfungen im Schulterbereich..) oder dass jeder von Luises Körperteilen immer mit dem Attribut „hübsch“ versehen sein muss – vielleicht handelt es sich ja um einen ehemaligen Fortsetzungsroman?

Ein paar Mal kann man beim Lesen laut auflachen – ob das aber immer in der Absicht der Autorin lag, wage ich leise zu bezweifeln – Trotzdem: Ich habe mich königlich amüsiert!

  • Sexappeal: Hier wird geküsst was das Zeug hält und am frechsten ist ein kleiner Hummelfigurenbub, der einem Hummelfigurenmädel unter den Rock schaut – Na, pfui! ;“)


  • Risiken & Nebenwirkungen: Meine Damen, hier wird streng auf die schlanke Linie geachtet! Moni isst abends „der Linie wegen 2 Äpfel und der Zähne wegen ein Stück ziemlich hartes Vollkornbrot“ und wenn Luise am Abend vorher mit Sardinenbrötchen gesündigt hat, dann darf sie selbstverständlich am nächsten Tag nur ölfreien Salat zu sich nehmen.

  • Woher nehmen: Leider ist das Buch nur noch antiquarisch erhältlich.

  • Eine Frage bleibt: Christian hat für jede seiner Flammen andere Blumen parat. Mein Strauß wäre vermutlich eine Mischung aus Vergissmeinnicht, Schneeglöckchen und Buschwindröschen. Sollte ich mich auf eine Blumenart beschränken, müssen wären es wohl die Schneeglöckchen... (Am Rande bemerkt: Ich finde Schnittblumen traurig, da gefallen mir eingetopfte Blumen viel besser..)
Aber – welche Blumen wären es für Euch?

Samstag, 25. Dezember 2010

Frohes Fest!


Ich wünsche Euch und Euren Lieben ein wunderbares Weihnachtsfest!!

Alles Liebe,

Frl. Irene Palfy


Mittwoch, 8. Dezember 2010

Wenn in den North Woods der Sommer kommt, vergeht die Zeit langsamer


DAS LICHT DES NORDENS (A NORTHERN LIGHT) von Jennifer Donnelly (2003).

Juli, 1906 - Im Norden des Staates New York: Die Farmerstochter Mathilda, genannt Mattie, arbeitet aushilfsweise in einem Hotel als die Leiche des jungen Hotelgastes Grace Brown aus dem nahegelegenen See geborgen wird. Graces Begleiter ist spurlos verschwunden und nur Mattie, die von Grace einen Stapel Briefe zum Verbrennen erhielt, kann mit Hilfe dieser Briefe der Lösung des Todesfalles näher kommen.

Was sich auf den ersten Blick wie der Plot eines Krimis macht – schließlich basiert die Geschichte auf einem wahren Mordfall – ist vielmehr die Geschichte Matties, die davon träumt zu studieren und Schriftstellerin zu werden, aber durch diverse Verpflichtungen an ihre Heimat gefesselt zu sein scheint.

Der Roman bietet zwar nicht viele überraschende Wendungen, entpuppt sich aber trotzdem als recht fesselnde Lektüre. Neben den üblichen Themen Liebe, Familie, Untreue, Verlust etc. wird allerdings auch das Thema Rassismus und sexuelle Belästigung behandelt – außerdem dürfen Freunde der literarischen Klassiker sich über diverse Titelnennungen und Zitate freuen: häufig werden die gewissen Captain Wentworth, Heathcliff oder Rochester herbeizitiert. *yay* Wer (noch) nicht weiß, wer diese Herren sind, verfolge bitte weiterhin meinen Blog – alle anderen aber bitte auch!! :") Allerdings gibt es - meiner Meinung nach - ein kleines falsches Zitat einer Edgar Allan Poe Geschichte, was schade ist, aber keine Auswirkung auf die Geschichte hat und deswegen wohl vertretbar ist.

Dieses Buch verlangt nicht unbedingt viel Konzentration, macht aber auf jeden Fall Lust wieder mal zu einem Klassiker zu greifen. Diesmal finde ich übrigens tatsächlich mal das deutsche Cover schöner! Was meint Ihr?


  • Sexappeal: Brüste werden geknetet (autsch!) und ab und an männliche Hinterteile beschrieben – also keine besonders erotische Lektüre.
  • Woher nehmen: Das Buch ist als Taschenbuch im Handel erhältlich. ISBN 978-3-492-24840-2

  • ÜbrigLinks: Unter dem Titel "Licht des Nordens" gibt es auch eine wunderschöne Sammlung von Landschaftsfotografien die Nordskandinavien zeigen! Einfach mal hier klicken und Bilder anschauen: Licht des Nordens.
    Außerdem nennt sich auch eine Deutsche Doggen Zucht so - hier zur Seite: Licht des Nordens - tolle Tiere, aber ich habe nicht genug Durchsetzungsvermögen und bin auch etwas zu klein für solche Kerle. Außerdem reicht es mir auch wenn meine Lucy schnurrend auf meinem Schoß sitzt, wenn ich an meinem Blog arbeite - eine Dogge würde in derselben Situation vermutlich meinen Blick auf den Bildschirm etwas mehr verstellen.. ;")
    Auf Wikipedia gibt es auch eine Seite über den Mordfall Grace Brown - leider nur auf Englisch: Grace Brown.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Haben Sie jemals eine Whistable-Auster gekostet?

Eine Warnung vorweg: Sarah Waters ist eine meiner Lieblingsautorinnen - und in diesem Post gehts um ihren Erstling von 1998: DIE MUSCHELÖFFNERIN (TIPPING THE VELVET).

Nancy Astley, die im elterlichen Austernlokal an der englischen Küste als Muschelöffnerin arbeitet, verliebt sich in die Herrenimitatorin Kitty Butler und wird durch glückliche Umstände erst zu ihrer Freundin und Kammerzofe und später zu ihrer Patnerin auf der Bühne und im Bett.
Und während es mit der Karriere im viktorianischen London immer weiter voran geht, dringt Kitty immer mehr darauf ihre Beziehung geheim zu halten. Schließlich kommt es zum Bruch und Nancy verlässt nicht nur Kitty sondern auch das Theater. Da sie als Junge äußerst überzeugend wirkt, schlägt sie sich zunächst als Stricher durch, bevor sie die Geliebte einer reichen Dame der höheren Gesellschaft wird. Auch dieses Verhältnis ist nicht für ewig gemacht und Nancy muss weiter kämpfen - und nach der großen Liebe suchen.

Sarah Waters Schreibstil gehört zu dem eindeutig besten, was mir bekannt ist. Sie schreibt fesselnd und - ohne jemals langweilig zu werden - detailgetreu.
Homophobe Mitmenschen sollten aber unbedingt die Finger von diesem Buch lassen. - Wer sich langsamer an Sarah Waters und die "lesbische Thematik" ranlesen will, sollte besser mit DIE FRAUEN VON LONDON beginnen (Ja, das werde ich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit noch im nächsten Jahr besprechen - dieses Jahr wohl nicht mehr - ich habe mir einen Stapel Dezember Bücher zusammengesucht und der muss erstmal abgetragen werden.. yay!)
Politikfreunden sei verraten, dass es in dem Roman auch ein wenig um die sozialistische Bewegung im viktorianischen England geht - Politikfeinden dagegen sei versichert, dass die Politik nicht übermäßig Raum einnimmt.
  • Sex-appeal: Wer weiß, dass Sarah Waters sich mit dem Thema Pornographie im 19. Jahrhundert bestens auskennt, sollte nicht zu sehr überrascht sein - Hier wird so ziemlich jede sexuelle Praktik des lesbischen Sex ausgeübt. Vom Lecken (daher der Original Titel Tipping the Velvet), übers Fingern, bis zum Sex mit einem Umschnalldildo - nichts aussergewöhnlich Schockierendes aber doch um einiges ausführlicher, als in den Büchern die ich hier sonst vorstelle. Auch die Sprache ist vergleichsweise derber: Hier zucken Schwänze und pulsieren feuchte Mösen (bah! Ich mag das Wort absolut nicht..) - also nehmt Ihr das Buch besser nicht mit zum Damenkränzchen von Oma. Obwohl.. ;")

  • Für Nicht-Leser: Das Buch wurde von der BBC verfilmt und ist wie immer sehr nahe am Original orientiert - obwohl es einige Änderungen gibt - das Ende gefällt mir zum Beispiel im Buch noch etwas besser und ich hätte auch gerne den "sozialistischen Part" stärker vertreten gesehen.. Trotzdem: gesegnet sei die BBC!! Und es spielen wie immer wunderbare Schauspieler mit - dabei auch zwei meiner Liebsten: Sally Hawkins und Hugh Bonneville, die zwar nur kleine Rollen haben, aber: Egal!! Ich freu mich trotzdem.





  • Literatur leben: Tragt beim Lesen Handschuhe oder viktorianisch aussehende Stulpen/ Fingerhandschuhe. Wenn Ihr's tragen könnt, versucht Euch als Jungen zu kleiden und die ganz Unverzagten unter Euch dürfen auch gerne Austern essen. (Iiiiih! - mehr werde ich zu dem Thema nicht äußern.) ;")

  • Woher nehmen?: Leider nur noch gebraucht zu bekommen oder eben auf Englisch (ISBN 978-1-86049-524-3)
Und wieder gefällt mir das Cover der englischen Ausgabe um Einiges besser - was meint Ihr? Welches Cover zieht Ihr vor?