Sonntag, 17. Oktober 2010

Einen Briefumschlag macht man auf und zieht etwas heraus, das beißt oder sticht, obwohl es kein Tier ist.

Mit gerade 199 Seiten mal wieder ein schmaler Band ist: NACH MITTERNACHT von Irmgard Keun (1937).


Frühjahr 1936: Susanne, genannt Sanne, ist 19 Jahre alt. Aus einem kleinen Ort an der Mosel zog sie erst nach Köln zu ihrer gefühlskalten Tante, wo sie in deren Schreibwarenladen arbeitete und sich in Franz, den Sohn ihrer Tante verliebte. Franz und Sanne wollten von ihrem ersparten Geld einen Zigarettenladen eröffnen, aber die Tante zeigte Sanne bei der Gestapo an und Sanne geht nach Frankfurt a.M. um bei ihrem Stiefbruder, dem ehemals erfolgreichen jetzt aber mit seinen Prinzipien und der neuen Regierung ringenden Schriftsteller, Algin und seiner Frau Liska zu leben. Mittlerweile ist einige Zeit vergangen - Franz taucht plötzlich nach langer Funkstille in Frankfurt auf - er ist auf der Flucht.


In diesem Roman erzählt Sanne selbst. Und sie ist keine Bildungsbürgerin, sondern ein ganz normales evtl. etwas naives, junges Mädchen, die nicht immer alles versteht was um sie herum vorgeht und auch nicht immer nachvollziehen kann, was die neuen deutschen Gesetze zu bedeuten haben. Vielleicht kennt Ihr die "Schulaufsätze" von Kurt Tucholsky z.B. Hitler und Goethe (zum Nachlesen, habe ich hier einfach mal einen Link geschaltet..) - Sannes Ton ist ähnlich. In dem Roman gibt es auch die Figur Heini, der als regimekritischer Journalist all das äußert, was Irmgard Keun Sanne wohl nur schlecht in den Mund legen konnte.

Der Roman ist zum Teil grausam (ich zu mindest bekomme die Sterbeszene im 2 Kapitel nicht aus dem Kopf - auch wenn es gewaltfrei von statten geht, ist es diese Szene, die mir auch nach Jahren im Gedächtnis stecken blieb..) und gibt vermutlich ein sehr genaues Bild der damaligen Verhältnisse, was für deutsche Romane der Zeit ja nun nicht gerade üblich ist. Irmgard Keun selbst ging 1936 mit ihrem damaligen Lebensgefährten Joseph Roth ins Exil in die Niederlande kehrte aber 1940 nach dem Einmarsch der Reichswehr dort - und der Trennung von Roth (1938) - wieder zurück nach Deutschland und lebte dort illegal. (- aber in einem Land deren Sprache auch ihr gehörte.) Erleichtert wurde ihr Leben dadurch, das mehrfach Todesmeldungen über sie veröffentlicht wurden.

Durch Sannes Sprache ist der Roman sehr direkt - typisch für Irmgard Keun, die immer so schrieb, wie ihre Figuren wohl sprechen und denken. Ich könnte noch weiter über Irmgard Keun dozieren - denn sie gehört eindeutig zu meinen Lieblingsautorinnen, aber das werde ich mir wohl für spätere Einträge vorbehalten..

Für diejenigen von Euch die an deutschen Dialekten interessiert sind oder etwa bestimmte Dialekte nicht ertragen, hier ein Hinweis bzw. eine Warnung: Ab und an wird hier kölsch gesprochen und für den norddeutschen Leser: Namen bekommen hier einen Artikel vorangesetzt: Es ist also der Algin, die Liska und das Bertchen.. :")
  • Woher nehmen: Der Roman ist in verschiedenen Auflagen (und zu unterschiedlichen Preisen..) als Taschenbuch erhältlich.

Montag, 11. Oktober 2010

Der seltsame Fremde von dem ich erzählen will, begegnete mir im Schloß Warwick

EIN YANKEE AUS CONNECTICUT AN KÖNIG ARTUS' HOF (A CONNECTICUT YANKKE IN KING ARTHUR'S COURT) (1889) von Mark Twain ist auch unter den Titeln EIN YANKEE AN KÖNIG ARTUS HOF und EIN YANKEE AM HOFE DES KÖNIGS ARTUS veröffentlicht worden - die Geschichte dürfte aber immer dieselbe sein:

Der Yankee Hank (ja, aus Connecticut - woher wisst Ihr?) erwacht nach einer Schlägerei im 6. Jahrhundert und wird von König Artus' Stiefbruder, dem Ritter Kay, gefangen genommen und nach Camelot (König Artus Schloss) gebracht. Dort entkommt er dem Tod, weil er als moderner Mensch des 19.Jh. den mittelalterlichen Rittern einiges an Wissen voraus hat. Mit seiner Bildung und einem Talent für Effekte vollbringt er "Wunder" und verdrängt nicht nur Merlin aus seiner Machtposition sondern wird auch noch Minister - mit dem Plan das finstere Mittelalter zu zivilisieren und die Monarchie abzuschaffen.

Mark Twain war kein Freund des Mittelalters und schrieb mit dem YANKEE eine sehr respektlose Satire gemischt mit ein wenig utopischem Roman - ich weiß nicht ob hier wirklich der Begriff Science-Fiction-Roman passt..

Der Humor ist typisch Mark Twain und keilt in alle Richtungen aus: Hier wird dann schon mal Sir Gareth "Garry" getauft und Ritter zu Werbeträgern gemacht - und auch die deutsche Sprache bekommt einen Seitenhieb ab - was ich sehr lustig fand.. Am Witzigsten fand ich die Hofchronik - hatte aber auch sonst viel Spaß. Zum Teil war mir zwar Hank etwas zu arrogant, aber auch das ist alles noch im Rahmen des Erträglichen. Dass Hank in einer komplett unkritischen Haltung die Politik seiner Zeit ins Mittelalter transportiert gab mir schon zu denken - hätte ich die Möglichkeit, die Welt in eine neue Richtung zu lenken, würde ich mich bemühen auf Schusswaffen und ähnliches dabei zu verzichten.. Zum Teil passieren schon grausame und traurige Dinge - aber: es ist eben das Mittelalter - und jetzt dürft Ihr raten, was mich am Mittelalter so abstößt.. Und bitte: Lasst Euch nicht von Mark Twains umständlichen Vorwort verschrecken: Der restliche Roman ist um einiges leichter zu verstehen!

Ich bin kein Fan des Mittelalters (alle meine mittelalterbegeisterten Freunde - und davon habe ich komischer Weise einige.. - mögen mir das verzeihen.) und hatte deswegen ein wenig Bedenken, ob dieses Buch wirklich etwas für mich wäre, aber: es hat durchaus gut für mich funktioniert. Eben weil es sowohl witzig ist, als auch sehr interessante politische Aspekte beinhaltet - von der Sklaverei bis zu Löhnen und Kaufkraft. Die Kapitel sind sehr kurz gehalten, so dass man sie bei regelmäßigen Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut konsumieren kann - häppchenweise eben - außerdem sieht es ja sowieso immer ziemlich gebildet aus mit einem Klassiker in der Öffentlichkeit rumzusitzen..


  • Für Nicht-Leser: Das Buch selbst und abgewandelte Handlungen wurden mehrfach verfilmt: 1931 mit Will Rogers, 1949 mit einem stärkeren Musikschwerpunkt mit Bing Crosby, 1998 mit Whoppie Goldberg (Ein Ritter in Camelot) und 2001 mit Martin Lawerence (Ritter Jamal - eine schwarze Komödie).

  • Woher nehmen: Das Buch ist in verschiedenen Aufmachungen und unter den oben aufgezählten abgewandelten Titeln erhältlich.

Dienstag, 21. September 2010

Sag mal... Kennst du Mitsuko?

Das Buch, das ich Euch jetzt vorstellen will, könntet Ihr vermutlich bereits fertig gelesen haben bevor Ihr von der Kasse aus dem Laden gegangen seid: DER SELBSTMORDCLUB von Usamaru Furuya (2002).

Die Geschichte ist nicht nur schnell gelesen - sondern auch schnell erzählt:

2001 begehen in Tokyo 54 Oberschülerinnen Selbstmord indem sie sich vor einen Zug werfen. Es ist der Selbstmordclub der beliebten Mitsuko. Eine Schülerin - Saya - hat überlebt und nach nicht allzu langer Zeit fängt auch sie an Mädchen um sich zu sammeln und einen neuen Club aufzuziehen, was ihre beste Freundin Kyoko natürlich äußerst beunruhigt - und das um so mehr, als Menschen, die sich mit Saya - die mittlerweile den Namen Mitsuko angenommen hat - anlegen, auf mysteriöse Weise Selbstmord begehen..


Warum liest sich das so schnell?? Na ja: es handelt sich um ein Manga. Die Leserichtung ist dementsprechend von Rechts nach Links, sprich: von Hinten nach Vorne, was sich aber ganz leicht machen lässt.

Ich bin keine große Manga-Leserin - dem Anschein nach bin ich nicht in der Lage mit dieser Informationsflut, die ein Manga bietet, umzugehen: auf Dauer bekomme ich Kopfschmerzen von den vielen Bildern! - Ich kann es selbst nicht fassen - evtl. ändert sich das ja, wenn ich mir eines Tages ein Herz fasse und mir die Brille anschaffe, die mir mein Arzt empfiehlt.. irgendwann.. Dieses Buch allerdings habe ich auf Empfehlung meiner besten Freundin (herzlichen Dank an Ms. TurangaT! - auch fürs Blogverfolgen!!) in die Hand genommen und - ich will es gestehen: anfangs etwas widerwillig - gelesen.

Wie dem auch sei: Nach ca. 2 Seiten legte sich der Widerwillen mehr und mehr und machte einer Art Neugierde Platz, denn DER SELBSTMORDCLUB ist aufgrund seiner Morbidität unsagbar faszinierend - und etwas gruselig. Zum Schluß war ich nur noch begeistert, was auch erklären sollte, warum ein Manga den Weg in meinen Blog fand. Besonder gefiel mir der bitterböse Schluß - den ich aber selbstverständlich nicht preisgeben werde. ;"p

Wer übrigens auf Innereien aus ist: hier kriegt Ihr was zu sehen. Mädchen die sich vor Züge werfen oder ähnliches veranstalten, sehen danach nun mal nicht mehr so hübsch aus wie vorher. Sexszenen gibt es auch - andeutungsweise und mit weißen Stellen "zensiert" - von Romatik kann dabei aber wohl nur selten die Rede sein.
  • Für Nichtleser: Es gibt in dem Buch nicht sooo viel zu lesen - wem es trotzdem zu viel ist, kann natürlich versuchen, ob er/sie mit dem Film besser zu recht kommt: Film und Manga entstanden parallel - und obwohl Usamru Furuya ursprünglich den Plot des Filmes exakt folgen wollte, bat ihn Regisseur Sion Sono seine eigene Version zu schreiben. Daher eine angeblich - ich kann es nicht beurteilen, da ich den Film nicht kenne.. - straffere Erzählweise und - das Wichtigste - im Film gibt es keine Überlebende, was für das Manga das Ende nach 14 Seiten bedeutet hätte.. Und: also wirklich - weniger Text werde ich Euch wohl niemals bieten!! ;")
  • Woher nehmen: Im Handel erhältlich mit folgender ISBN 978-3-937102-53-5

Sonntag, 19. September 2010

Ein Mr. Peter O.Jones, Chefredakteur & Herausgeber der Brennerton >Star-Gazette< , stand im Badezimmer eines Hotels in New York City und schrubbte...

Ein schmaler kleiner Thriller von 1950: SCHLAFE MEIN KINDCHEN (MISCHIEF) von Charlotte Armstrong.

Was geschieht:
Mr. und Mrs. Jones wollen zu einem wichtigen Dinner und lassen ihre 9jährige Tochter Bunny im Hotelzimmer zurück. Bei ihr bleibt der Babysitter Nell, die von ihrem Onkel, dem Fahrstuhlführer Eddie, die Stelle vermittelt bekam.


Zeitgleich hat Jed, ein junger Mann der im selben Hotel wohnt, Streit mit seiner Freundin Lyn und sieht nach der Trennung im gegenüber liegenden Hotelzimmer Nell - und eine Chance seine angestaute Wut auf angenehmere Weise abzubauen. Schnell greift er sich eine Flasche Whiskey und schon könnte der Abend für ihn mit Nell ein entspanntes Ende finden - wäre Nell nicht geistig gestört und gemeingefährlich..


Wirklich spannend - und schnell gelesen - bei nur 200 Seiten auch kein Wunder. Charlotte Armstrong deutet an, bevor sie beschreibt was tatsächlich geschieht - so dass sich eine enorme Spannung aufbaut - oder eben nicht, je nach dem wie Ihr Lieben so gestrickt seid.. ;")

  • Zeit zum Zelebrieren!: Whiskey (Rye) oder Cola und ein bisschen was Süßes und schon seid ihr kulinarisch voll dabei..
  • Für Nichtleser: Das Buch kam 1951 in eienr Verfilmung mit meiner Heldin Marilyn Monroe in die Kinos - ratet wie ich darauf kam, das Buch zu lesen.. Der deutsche Titel des Filmes ist VERSUCHUNG AUF 809 - die Randfiguren wurden ein wenig zusammen geschmolzen und Nells Hintergrundgeschichte etwas geändert - spannend ist's aber trotzdem. Und: Ja, Marilyn Monroe kann auch bösartig. :")
  • Woher nehmen: Leider ist das Buch nur antiquarisch erhältlich.

Freitag, 17. September 2010

Der Geruch des Meeres zog ihn gen Osten

DER HAI (CLOSE TO SHORE) von Michael Capuzzo ist, da es sich um die Beschreibung wahrer Ereignisse handelt, eine Art Sach-Roman. (2001)

Im Juli 1916 attakiert ein weißer Hai einen jungen Mann und verletzt ihn tödlich - in nur eineinhalb Meter Wassertiefe.
Es folgen noch mehere Angriffe und noch vier weitere Menschen sterben auf diese Weise. Eine noch nie dagewesene Jagd auf den Hai beginnt - denn bisher nahm man an, dass Haie sich niemals am Menschen zu vergreifen getrauten.

Michael Capuzzo beschreibt sehr genau die Lebensverhältnisse zur damaligen Zeit und ganz besonders dabei natürlich das Leben der Opfer und ihrer Familien - was mich von Zeit zu Zeit eine Winzigkeit zu langweilen begann.

Gleichzeitig beschreibt er aber auch minutiös den Weg des Haies, der sich durch eine winzige Ablenkung plötzlich in Binnengewässern wieder findet. Er beschreibt den Hai und "dessen Sicht" so eingehend, dass ich immer mehr und mehr auf der Seite des Haies war. - Das sollte niemanden verwundern, denn Haie zählen zu meinen Lieblingstieren.

Was den Schockfaktor angeht: Wie nicht anders zu erwarten wirds von Zeit zu Zeit ein bisschen blutig - und die Spannung ist zeitweise wirklich hoch - daher kommt vermutlich dann der minimal langweilige Eindruck, den der Bericht über das Leben der Menschen um 1916 auf mich machte.
Nichts desto troz könnt Ihr eine Menge über das Leben vor dem ersten Weltkrieg erfahren.

Wichtig ist allerdings zu wissen, dass Michael Capuzzos Buch für Wissenschaftler nicht ganz hieb und stichfest ist: Mittlerweile geht man davon aus, dass es sich nicht nur um einen Hai gehandelt haben dürfte.
  • Risiken und Nebenwirkungen: Wenn Ihr das nicht schon habt, könntet Ihr eine Faszination für Haie entwickeln - aber nur vielleicht.. Und Schwimmen in offnen Gewässern fällt wohl auch erstmal flach..
  • Für Nichtleser: Natürlich DER WEIßE HAI von Stephen Spielberg - obwohl der natürlich nicht wirklich Wert auf die Tatsachen legte.. - Einiges in dem Film ist haarsträubender Unsinn - aber nett gemacht. ;")
  • Woher nehmen: Leider nur noch antiquarisch zu erhalten - oder in der englischen Fassung (ISBN 978-0-7679-0414-8)

Donnerstag, 16. September 2010

Gestern Nacht träumte ich, ich sei wieder in Manderley

Daphne Du Maurier nahm nicht an, dass ausgerechnet dieses Buch zu einem ihrer größten Erfolge werden sollte: REBECCA (1938).

Nach dem ich im letzten Post ja eine ellenlange Geschichte erzählt habe, fasse ich mich nun diesmal kürzer:

Die 21jährige, unscheinbare Frau (ihr Name bleibt während des ganzen Buches unerwähnt), die als Gesellschafterin bei Mrs. van Hopper arbeitet, wird überraschend während eines Aufenthalts in Monte Carlo vom 42jährigen verwitweten Maxim de Winter geheiratet.
Er bringt sie zu seinem Landsitz Manderley, wo ihr die Haushälterin Mrs. Danvers, die abgöttisch an ihrer verstorbenen Herrin Rebecca (der ersten Mrs. de Winter) hängt, das Leben schwer macht. Nach und nach kristallisiert sich die Wahrheit über die ach so wundervolle und doch gar nicht so liebenswürdige Rebecca heraus. Durch einen Zufall entdeckt man ihre Leiche in einem Schiffswrack, es kommt zu einem Gerichtsprozess und Rebeccas Vetter/Geliebter Jack wirft Maxim de Winter den Mord an Rebecca vor - durch all diese Wiedrigkeiten kommen Maxim und seine junge Frau sich endlich näher. Als sie von der letzten Untersuchung des Falles in London nach Manderley zurück kommen, ist Mrs. Danver verschwunden und Manderley steht in Flammen..


Ein ganz großartig geschriebener Roman - der einige Parallelen mit JANE EYRE aufweist. Ich kann zwar Maxim de Winter nicht leiden, - mir steht ein Heathcliff eben doch näher.. - aber dieses Buch liest sich wirklich spannend.
Die Natur- und Pflanzenbeschreibungen mögen nicht jedermanns Sache sein: Ich fand es wunderbar. Was mich allerdings wirklich nervte, war die andauernde Betonung wie unsicher die Hauptfigur - übrigens eine ich-Erzählerin - ist und Maxim de Winters Gehabe. Meine Lieblingsfiguren waren Maxims Schwester Beatrice, der Verwalter Frank und Jasper, der Cockerspaniel.
Das Ende gehört zum Besten was mir je untergekommen ist: Ich erwischte mich dabei, dass ich weiterblätterte, weil ich nicht glauben konnte, dass das Buch tatsächlich schon vorbei war.
  • Für Nichtleser: Es gibt mehre Verfilmungen. Am bekanntesten dürfte Alfred Hitchcocks sein - er hat Dialoge zum Teil übernommen und bleibt auch eng an der Vorlage - nur das Ende ist etwas anders. Das literarische Ende lässt sich filmisch aber auch wirklich schwer umsetzen, ohne das Publikum zu vergrätzen. Außerdem gibt es noch eine BBC-Verfilmung und 2006 erschien auch eine Musicalversion des Romans.
  • Woher nehmen: Das Buch ist gebunden und in der Taschenbuchausgabe im Handel erhältlich.

Mittwoch, 15. September 2010

1801.- Gerade bin ich von einem Besuch bei meinem Gutsherrn zurückgekommen...

Da ich auch die Klassiker liebe, sollt Ihr auch etwas davon haben - ich beginne mit STURMHÖHE (WUTHERING HEIGHTS) von Emily Brontë (1847).

Und, tja, das wird eine laaange Geschichte:


Der viktorianische Gentleman Lockwood pachtet den Gutshof Thrushcross Grange von Heathcliff - einem mysteriösen und sehr unleidlichen Mann, der im mittlerweile verwahrlosten Wuthering Heights lebt. Lockwoods Wirtschafterin Nelly Dean, die früher in Catherine Earnshaw-Lintons Diensten stand, erzählt Lockwood die Geschichte von Heathcliff und Catherine:


Heathcliff kam als Findelkind ins Haus der Earnshaws, wo er mit den Geschwistern Catherine und Hindley Earnshaw aufwuchs. Als Heathcliffs Förderer Vater Earnshaw stirbt, wird Hindley zum Herrn des Hauses und macht Heathcliff zu einem Knecht - während also die Beziehung zu Hindley eher Schikane gleicht, verbindet Catherine und Heathcliff eine tiefe Freundschaft, die nach und nach zu einer Art Hassliebe heranwächst, da Catherin ursprünglich nach Höherem strebt.


Hindley, der mittlerweile geheiratet hat, verliert seine Frau duch Tuberkoluse und behält nur seinen Sohn Hareton zurück, was ihn noch mehr zum Alkohol treibt.


Catherine bekommt derweil einen Heiratsantrag vom verweichlichten Edgar Linton, dem Erben von Thrushcross Grange. Sie spricht mit ihrer Vertrauten Nelly über ihre Chancen und darüber, dass eine Ehe mit Heathcliff zu keiner Verbesserung führen könne - Heathcliff belauscht das Gespräch und läuft davon.


Catherine ist von dem Verlust doch mehr mitgenommen als gedacht (sie bekommt hohes Fieber) und heiratet Edgar Linton, obwohl er ihr gleichgültig ist - aber er bietet ihr nun mal die Chance Wuthering Heights zu verlassen.


Nach Jahren kehrt Heathcliff als reicher Mann zurück und heiratet Edgars naive Schwester Isabella, die dann später hochschwanger vor ihrem Mann nach London flieht, während Heathcliff Wuthering Heights zu seinem Besitz macht und Hareton auf seine Seite zieht. Edgar und Catherine, die Heathcliff nie vergessen konnte, bekommen eine Tochter, nach deren Geburt Catherine stirbt. Edgar nennt seine Tochter nach ihrer Mutter: Catherine.


Hindley stirbt im Alkoholdelirium und Hareton wird mehr und mehr zu einer Kopie seines unleidlichen Ziehvaters Heathcliff. Nach Isabellas Tod holt Heathcliff seinen kränklichen Sohn Linton zu sich und bringt Jahre später Catherine, jr. dazu Linton zu heiraten. Edgar stirbt bevor er sein Testament ändern kann und so wird sein Schwiegersohn Linton Erbe von Thrushcross Grange - was er aber auch nicht lange bleibt, denn auch er verendet dann ziemlich schnell. Natürlich fällt sein Besitz an den nächsten lebenden männlichen Verwandten: Heathcliff.


Heathcliff besitzt jetzt beide Häuser und vermietet Thrushcross Grange an Lockwood, der seinen Vermieter zur Begrüßung besucht und eine Vision von Catherine hat, die ins Haus hineingelassen werden will. Heathcliff erleidet daraufhin einen Schock und verliert immer mehr seine Kräfte, so dass er nicht verhindern kann, dass Catherine, jr. Hareton immer mehr Bildung beibringt und die beiden ein Liebespaar werden. Schließlich wird Heathcliff tot im Bett auf gefunden. Das Fenster am Bett ist weit geöffnet - und Heathcliff lächelt.


Uff, jede Menge Inhalt und noch mehr unleidliche Figuren - wenige Sympathieträger - aber doch ein sehr spannendes Buch.

Im Buch beginnt die Handlung mit Lockwoods Besuch, dann erfährt er nach und nach die Geschichte Heathcliffs und Catherines und die Handlung endet mit Heathcliffs Tod, einer Geistererscheinung und - was ich immer mag - einem Besuch auf dem Friedhof. Mir erschien es aber logischer Euch die Geschichte chronologisch richtig zu erzählen - bei so vielen verschiedenen und wichtigen Personen und Handlungssträngen, darf ich es wohl ein bisschen einfacher machen.

Wenn Ihr eine liebliche Romanze erwartet, solltet Ihr besser nicht zu diesem Werk greifen - STURMHÖHE ist eher bitterböse und gewaltig. Hier wird nicht zärtlich geflüstert und mit viel Gewese der Hof gemacht - der Kandidat hierfür ist am ehesten Edgar Linton und der ist ein Schwächling, also kommt er dabei auch nicht gut weg.




Na, man könnte die ganze Geschichte, wenn schon so ettiketieren, dann "wildromantisch" nennen. Ich mag Heathcliff und liebe die Romanze zwischen Catherine, jr. und Hareton (obwohl sie ein bisschen an die Beziehung zwischen Heidi und ihrem Geißenpeter erinnert.. nur eben erwachsener und mit mehr Anziehung..) Auch die Geister-Parts haben mir gefallen - obwohl ich am Anfang als Lockwood nach dem Geist greift, dachte mir wird schlecht.. ^^


  • Risiken und Nebenwirkungen: Ein düsteres Werk, es dürfte sich also nicht gerade eignen eine Depression in Sonnenschein zu verwandeln. Das viktorianische Publikum fand es anstößig und schockierend.


  • Für Nichtleser: Das Buch ist mehrfach verfilmt worden. Für Fans der Filmklassiker bietet sich die Verfilmung mit Laurence Olivier in der Rolle des Heathcliff an - obwohl der Film (übrigens auch unter dem Titel STÜRMISCHE HÖHEN bekannt) vergleichsweise brav daher kommt und auch einiges an Handlung ausspart - aber David Niven gibt den perfekten Edward Linton ab und Laurence Olivier gefällt mir wirklich gut - ich mag es wenn Männern die Haare ins Gesicht fallen..

  • Woher nehmen: Das Buch gibt es in allen möglichen Ausgaben im Handel - im Dezember wird auf der "Biss zum.."-Schiene eine Ausgabe mit dem Hinweis "Bellas und Edwards Lieblingsbuch" erscheinen und sich auch optisch an den Biss-Büchern orientieren. Wie das zusammenhängt kann ich nicht beurteilen, weil ich mich von modernen Vampiren möglichst fern halte.. Verzeiht mir, aber wenn ich Bilder von ihm sehe, denke ich immer der arme Bengel müsse mal zur Kur..